Beim Cannabis Topping wird die Spitze des Haupttriebs direkt über einem Nodium abgeschnitten: Die zwei Seitentriebe dieses Nodiums werden zu zwei Haupttrieben statt einem. Getoppt wird in der Wachstumsphase, wenn die Pflanze 5–6 Nodien hat, über dem 4. oder 5. Nodium und mit einer sauberen, scharfen Schere. Die Pflanze muss gesund sein, und pro Schnitt ist etwa eine Woche Erholung einzurechnen; in der Blüte wird nicht getoppt.
In Kürze
- Wirkung: Der Haupttrieb dominiert nicht mehr, die Pflanze wächst breiter und niedriger, mit zwei Haupttrieben.
- Wann: bei 5–6 Nodien, meist 3–5 Wochen nach der Keimung; nie bei gestressten oder frisch umgetopften Pflanzen.
- Wo: im Internodium über dem gewählten Nodium, mindestens 5 mm über den Seitentrieben.
- Erholung: 5–7 Tage, bis zu 10; rechne pro Topping etwa eine Woche Wachstumsphase dazu.
- Autoflowers: besser LST; Topping höchstens einmal, früh und nur bei sehr kräftigen Pflanzen.
Was Topping ist und was es an der Pflanze ändert
Lässt man Cannabis frei wachsen, wird sie kegelförmig: Die Haupttriebspitze bildet Wachstumshormone (Auxine), die den Stängel hinunterwandern und die Seitentriebe bremsen. Das nennt man Apikaldominanz. Wird die Spitze entfernt, fällt diese Bremse weg, und die zwei Triebe des obersten verbliebenen Nodiums wachsen gleichberechtigt als neue Haupttriebe weiter.
Unter einer Indoor-Lampe zählt das, weil die Lichtintensität mit der Entfernung abnimmt: Eine niedrigere, breitere Pflanze mit mehreren Spitzen auf gleicher Höhe nutzt die Fläche der Growbox besser. Topping wirkt am besten zusammen mit LST, das die Triebe ohne Schnitt öffnet und nach unten biegt.
Wann man toppt
Zähle die Nodien ab dem ersten echten Blattpaar, ohne die runden Keimblätter. Der klassische Zeitpunkt ist, wenn die Pflanze 5–6 gut ausgebildete Nodien hat: Ein Schnitt über dem 4. oder 5. lässt genug Blätter für eine rasche Erholung. Die untersten Nodien haben oft schwache Triebe, deshalb lohnt es sich nicht, zu tief zu toppen.
| Situation | Wann toppen | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| Erstes Topping | 5–6 Nodien, über dem 4. oder 5. | meist 3–5 Wochen nach der Keimung |
| Weitere Toppings | wenn die neuen Triebe 2–3 Nodien haben | 7–10 Tage nach dem vorherigen Schnitt |
| Letztes Topping | mindestens 7–10 Tage vor 12/12 | die Pflanze muss wieder wachsen |
| Autoflowers | höchstens einmal, am 3.–4. Nodium | bis zur 3. Woche, nur bei sehr kräftigen Pflanzen |
Toppe nur gesunde Pflanzen: gleichmässig grüne Blätter, regelmässiges Wachstum, Wurzeln, die den Topf schon durchwachsen haben. Immer nur ein Stress aufs Mal: Zwischen Umtopfen und Topping 5–7 Tage verstreichen lassen, in beide Richtungen.
Wo schneiden und mit welchem Werkzeug
- Bereite eine kleine, scharfe Schere oder eine neue Klinge vor, mit Alkohol gereinigt. Feine Spitzscheren aus der Rubrik Ernte und Verarbeitung eignen sich auch hier.
- Bestimme das Nodium, über dem du schneidest, und die zwei Seitentriebe in den Blattachseln: Das sind die künftigen Haupttriebe.
- Schneide den Haupttrieb mit einem sauberen Schnitt in der Mitte des Internodiums über diesem Nodium, jedenfalls mindestens 5 mm über den Trieben. Ein kleiner Stummel schützt die Triebe; ein zu knapper Schnitt kann sie verletzen.
- Reisse die Spitze nicht mit den Fingern ab: Der Stängel franst aus und verheilt schlechter.
- In den folgenden Tagen Klima und Giessen gleichmässig halten, ohne mehr Dünger zu geben. Wenn die zwei neuen Triebe wachsen, mit einer lockeren Drahtschlaufe nach aussen öffnen.
Hat die Pflanze schon 6–7 Nodien, kann das abgeschnittene Stück lang genug sein, um es als Steckling zu bewurzeln.
Mehrfaches Topping, Mainlining und FIM
Jedes Topping verdoppelt die Haupttriebe: 2 nach dem ersten, 4 nach dem zweiten, 8 nach dem dritten. Der zweite Schnitt erfolgt an den zwei neuen Trieben, über ihrem 1.–2. Nodium, wenn die Pflanze wieder wächst. In einer Growbox für den Eigenbedarf reichen 1–3 Toppings: Mehr Spitzen bringen nur etwas, wenn Licht und Platz für alle reichen.
- Mainlining: Man toppt am 3. Nodium, entfernt die Triebe darunter und behält nur zwei Arme, die dann symmetrisch weiter getoppt werden, bis 8 gleiche Spitzen entstehen. Das ergibt ein sehr gleichmässiges Blätterdach, verlängert die Wachstumsphase aber um etwa 2–4 Wochen; mit einem Netz ähnelt es dem SCROG.
- FIM: Statt den Stängel zu schneiden, entfernt man etwa 70–80 % des jungen Blattbüschels an der Spitze und lässt dessen Basis stehen. Es können 3–4 Spitzen entstehen, das Ergebnis ist aber weniger vorhersehbar; die Pflanze wird meist weniger gebremst.
| Technik | Was du machst | Haupttriebe | Erholung |
|---|---|---|---|
| Topping | Stängel über einem Nodium schneiden | 2 pro Schnitt | 5–7 Tage, bis 10 |
| FIM | 70–80 % der jungen Spitze entfernen | 3–4, unterschiedlich | meist kürzer |
| Mainlining | wiederholtes, symmetrisches Topping | 8 oder mehr, gleichmässig | +2–4 Wochen Wachstumsphase |
| LST | Triebe ohne Schnitt biegen | viele, je nach Platz | keine |
Autoflowers: Risiken und Alternativen
Autoflowers beginnen nach 3–5 Wochen, oft schon nach 3–4, von selbst zu blühen, unabhängig vom Lichtzyklus. Eine Woche Erholung wiegt bei einer so kurzen Wachstumsphase schwer, und eine Pflanze, die stockt, bleibt kleiner. Wenn du es versuchen willst, toppe nur einmal am 3.–4. Nodium bis zur dritten Woche und nur eine Pflanze in Topform. Die sicherere Alternative ist LST, das die Pflanze nicht verletzt; auch starkes Entlauben ist bei blühenden Autoflowers nicht zu empfehlen, wie der Ratgeber zur Entlaubung erklärt.
Erholung und zusätzliche Wachstumsphase
Nach dem Schnitt stoppt das Höhenwachstum für einige Tage, während die zwei Triebe länger werden. Bei stabilem Klima (22–28 °C, 55–65 % Luftfeuchtigkeit) und einer kräftigen Pflanze ist die Erholung nach 5–7 Tagen sichtbar; bei jungen Pflanzen, wenig Wurzeln oder Kälte kann es bis zu 10 Tage dauern. Deshalb verlängert jedes Topping die Wachstumsphase praktisch um etwa eine Woche: Plane die Schnitte so, dass der letzte mindestens 7–10 Tage vor dem Wechsel auf 12/12 liegt.
Warnzeichen: Triebe, die nach 10 Tagen nicht weiterwachsen, Blätter, die lange vergilben oder hängen. Prüfe dann Wurzeln, Wasser und pH, bevor du an einen weiteren Schnitt denkst.
Häufige Fragen
An welchem Nodium toppt man?
Meist über dem 4. oder 5. Nodium, wenn die Pflanze 5–6 hat, gezählt ab dem ersten echten Blattpaar. Weiter unten sind die Triebe oft schwach; beim Mainlining toppt man am 3.
Wie oft kann man toppen?
In einer Growbox für den Eigenbedarf 1–3 Mal, also 2, 4 oder 8 Haupttriebe, mit 7–10 Tagen Abstand zwischen den Schnitten. Jedes Topping verlängert die Wachstumsphase um etwa eine Woche.
Kann man in der Blüte toppen?
Nein. In der Blüte bildet die Pflanze keine neuen Triebe mehr, und ein Schnitt bremst sie nur; das letzte Topping gehört mindestens 7–10 Tage vor den Wechsel auf 12/12.
Was ist der Unterschied zwischen Topping und FIM?
Beim Topping wird der Stängel über einem Nodium geschnitten, es entstehen zwei gleiche Spitzen; beim FIM entfernt man nur 70–80 % des Triebs an der Spitze, was 3–4 Spitzen ergeben kann, aber weniger vorhersehbar. Topping ist leichter zu steuern.
Töpfe in verschiedenen Grössen findest du in der Rubrik Töpfe.
Aktualisiert am 13. Oktober 2026.