Um Cannabis Stecklinge zu schneiden, nimmst du von einer Mutterpflanze in der Wachstumsphase Triebspitzen von 10–15 cm mit 3–4 Nodien, schneidest sie im 45°-Winkel knapp unter einem Nodium ab und steckst sie mit Bewurzelungshormon in Steinwollwürfel oder Torfquelltöpfe. In einem Anzuchtgewächshaus bei 22–25 °C, 80–90 % Luftfeuchtigkeit und schwachem Licht (18/6) bewurzeln sie in 7–14 Tagen. Stecklinge sind genetische Kopien der Mutter.
In Kürze
- Gesunde Mutter in der Wachstumsphase, mindestens 6–8 Wochen alt; untere Seitentriebe mit 3–5 mm Stieldicke.
- Saubere Klinge, glatter Schnitt im 45°-Winkel, Steckling sofort ins Wasser, dann Bewurzelungshormon.
- Anzuchtgewächshaus: Luft 22–25 °C, Substrat 22–24 °C, Luftfeuchtigkeit 80–90 % in den ersten Tagen, 80–200 µmol/m²/s Licht.
- Wurzeln sichtbar nach 7–14 Tagen, manchmal bis 21; Zeichen: Die Spitze wächst wieder und weisse Wurzeln treten aus dem Würfel.
- Nach dem Umtopfen 3–5 Tage schrittweise Gewöhnung an stärkeres Licht und trockenere Luft.
Mutterpflanze und Trieb auswählen
Die Mutter ist eine Pflanze, die dauerhaft in der Wachstumsphase (18/6) bleibt und nur Stecklinge liefert. Wähle sie gesund, ohne Schädlinge, wüchsig und mit einer Genetik, die du kennst. Startest du mit einem Samen (siehe Ratgeber zur Keimung der Samen), warte, bis die Pflanze mindestens 6–8 Wochen alt ist: Stecklinge von zu jungen Pflanzen bewurzeln zwar, sind aber empfindlicher.
- Bevorzuge untere Seitentriebe: Sie bekommen weniger Licht und bewurzeln leichter als die Haupttriebspitzen.
- Der ideale Stiel ist 3–5 mm dick, etwa wie ein dünner Bleistift: weder krautig weich noch schon verholzt.
- Nimm Spitzen mit 3–4 Nodien und gesunden grünen Blättern ohne Flecken oder Mangelzeichen.
- Manche Grower reduzieren den Dünger der Mutter 3–5 Tage vor dem Schnitt: Blätter mit weniger Stickstoff bewurzeln oft besser.
Stecklinge schneiden Schritt für Schritt
- Bereite alles vor: Steinwollwürfel, 1 Stunde in Wasser mit pH 5,5–6,0 eingeweicht, oder aufgequollene Torfquelltöpfe (pH 5,8–6,2), Anzuchtgewächshaus, Bewurzelungshormon und ein Glas Wasser.
- Desinfiziere Schere oder Skalpell mit Alkohol und arbeite mit sauberen Händen oder Handschuhen.
- Schneide den Trieb 0,5–1 cm unter dem untersten Nodium, das du behalten willst, mit einem glatten Schnitt im 45°-Winkel: Das vergrössert die Fläche, die Wasser aufnimmt und aus der Wurzeln wachsen.
- Stelle den Steckling sofort ins Wasser: Schon wenige Sekunden an der Luft können eine Luftblase in den Stiel bringen, die den Wassertransport blockiert.
- Entferne Blätter und Triebe an den unteren Nodien und kürze die grossen verbleibenden Blätter um die Hälfte: So verliert der Steckling weniger Wasser, bis er Wurzeln hat.
- Schneide unter Wasser nach, tauche die untersten 1–2 cm ins Bewurzelungshormon und stecke den Steckling 2–3 cm tief in den Würfel.
- Schliesse das Anzuchtgewächshaus, notiere Datum und Sorte und halte Stecklinge verschiedener Mütter getrennt.
Bewurzelungshormon: Produkte auf Basis von Indolbuttersäure (IBA) als Gel, Pulver oder Flüssigkeit machen die Bewurzelung schneller und gleichmässiger. Pflicht ist es nicht: Hanfstecklinge bewurzeln auch ohne, aber langsamer und mit mehr Ausfällen. Gel haftet gut und versiegelt den Schnitt; Pulver solltest du abklopfen, damit nicht zu viel daran bleibt.
Anzuchtgewächshaus: Luftfeuchtigkeit, Temperatur und Licht
Ohne Wurzeln nimmt der Steckling kaum Wasser auf: Die hohe Luftfeuchtigkeit im Anzuchtgewächshaus senkt die Verdunstung über die Blätter und hält ihn am Leben, bis er bewurzelt ist.
| Parameter | Tag 1–5 | Tag 6–10 | Nach der Bewurzelung |
|---|---|---|---|
| Relative Luftfeuchtigkeit | 80–90 % | 75–80 % | 65–70 % |
| Lufttemperatur | 22–25 °C | 22–25 °C | 22–25 °C |
| Substrattemperatur | 22–24 °C | 22–24 °C | 20–24 °C |
| Licht (Zyklus 18/6) | 80–150 µmol/m²/s | 100–200 µmol/m²/s | 200–300 µmol/m²/s |
| Lüftungsschlitze im Deckel | zu, 1–2-mal täglich lüften | halb offen | ganz offen, dann ohne Deckel |
- Feuchtigkeit: Besprühe die Wände des Anzuchtgewächshauses, nicht die Blätter, und halte das Substrat feucht, aber nicht nass. Ein kleiner Luftbefeuchter hilft in sehr trockenen Räumen im Winter.
- Wärme: In einem Raum unter 20 °C nutze eine Heizmatte mit Thermostat unter dem Anzuchtgewächshaus: Wärme von unten beschleunigt die Wurzelbildung.
- Licht: Eine T5-Leuchtstoffröhre oder eine auf 20–30 % gedimmte LED, höher als üblich aufgehängt, reicht. Bei starkem Licht verdunstet der Steckling mehr Wasser, als er aufnehmen kann, und welkt. Halte dich an die Angaben des Lampenherstellers und miss, wenn möglich, mit einem PAR-Meter oder einer App.
Werte und Regelung der Luftfeuchtigkeit im Zelt findest du im Ratgeber zur Luftfeuchtigkeit in der Growbox.
Bewurzelung und Umtopfen
Die ersten Wurzeln erscheinen meist nach 7–14 Tagen; manche Sorten oder stärker verholzte Stecklinge brauchen bis zu 21 Tage. Zeichen des Erfolgs sind eine Spitze, die wieder wächst, aufrechte, pralle Blätter auch bei offenen Lüftungsschlitzen und weisse Wurzeln, die aus dem Würfel treten. Zieh nicht am Steckling, um nachzusehen: Du reisst die jungen Wurzeln ab.
- Topfe um, wenn 3–5 Wurzeln aus dem Würfel kommen, in einen Topf von 0,5–1 Liter oder direkt in den Zwischentopf.
- Entferne den Würfel nicht: Setze ihn knapp unter die Oberfläche des neuen Substrats.
- Giesse mit Wasser mit korrektem pH und wenig Dünger (EC 0,4–0,8 mS/cm), nur wenn das Substrat nicht schon vorgedüngt ist.
- Halte in den ersten 3–5 Tagen das Licht bei 200–300 µmol/m²/s und die Luftfeuchtigkeit bei 65–70 %, dann wechsle zu den Werten der Wachstumsphase.
Die Pflege der folgenden Wochen entspricht der junger Pflanzen, wie sie der Ratgeber zum Cannabis Keimling beschreibt.
Häufige Fehler
- Welke Stecklinge: zu starkes Licht, zu tiefe Luftfeuchtigkeit oder Luft im Stiel beim Schnitt. Licht senken, Deckel schliessen und immer unter Wasser schneiden.
- Stielfäule: dunkle, weiche Basis wegen nassem Substrat, Temperaturen über 27 °C oder schmutzigen Klingen. Lass den Würfel zwischen zwei Wassergaben etwas abtrocknen und lüfte täglich.
- Gelbe Blätter: Dass die unteren Blätter vergilben, ist normal, weil der Steckling seine Reserven nutzt. Vergilben nach zwei Wochen alle, topfe um und beginne leicht zu düngen.
- Schimmel auf Substrat oder Blättern: zu viel Feuchtigkeit ohne Luftaustausch. Lüfte öfter und entferne abgefallene Blätter und tote Stecklinge sofort.
Häufige Fragen
Wie lange braucht ein Steckling zum Bewurzeln?
Meist 7–14 Tage bei 22–25 °C und 80–90 % Luftfeuchtigkeit. Verholzte Stecklinge oder kühle Räume brauchen bis zu 21 Tage.
Braucht es Bewurzelungshormon?
Pflicht ist es nicht, aber ein Gel oder Pulver auf IBA-Basis beschleunigt die Bewurzelung und senkt die Ausfälle. Ohne Hormon nimm junge Stecklinge und halte das Substrat bei 22–24 °C.
Kann man Stecklinge von einer blühenden Pflanze nehmen?
Ja, aber sie bewurzeln langsam und müssen mit 18/6 in die Wachstumsphase zurück, was 3–5 Wochen dauert und anfangs verformte Blätter bringt. Besser ist eine Mutter in der Wachstumsphase.
Welches Licht brauchen Stecklinge?
Schwaches Licht, 80–200 µmol/m²/s, im Zyklus 18/6: Eine T5-Röhre oder eine auf 20–30 % gedimmte LED genügt.
Anzuchtgewächshäuser, Würfel und Bewurzelungshormone findest du in der Rubrik Stecklinge und Keimung von Gro.w.LaB.
Aktualisiert am 13. Oktober 2026.