Eine Rosin Presse trennt das Harz vom Pflanzenmaterial nur mit Wärme und Druck, ohne Lösungsmittel: Zwei beheizte Platten pressen einen Filterbeutel, und das geschmolzene Harz fliesst auf das Silikonpapier. Als Ausgangswerte gelten meist 85–105 °C für Blüten und 65–90 °C für Siebgut und Eiswasser-Harz, während 30–180 Sekunden. Der effektive Druck auf den Beutel liegt bei etwa 20 bis 70 bar.
In Kürze
- Entscheidend ist der Druck auf das Material, nicht nur die Tonnen der Presse.
- Beutel mit 90–160 µm für Blüten, mit 25–45 µm für Siebgut und Eiswasser-Harz.
- Tiefere Temperaturen ergeben weniger Ertrag, erhalten die Aromen aber besser.
- Hitzeschutzhandschuhe, Finger weg von den Platten und Reinigung nur bei kalter Presse.
Wie eine Rosin Presse funktioniert und welche Typen es gibt
Die Trichome, die Drüsen auf Blüten und kleinen Blättern, enthalten ein Harz, das bei Wärme weich wird. Die Platten erwärmen es, der Druck presst es durch das Gewebe des Beutels, und das Pflanzenmaterial bleibt zurück. Das Ergebnis heisst Rosin. Der Prozess kommt ohne Lösungsmittel aus, konzentriert aber alles, was das Harz enthält. Pressen unterscheiden sich darin, wie sie die Kraft erzeugen:
- Manuell (Hebel oder Spindel): kompakt und günstig, geeignet für kleine Mengen; die kleinsten arbeiten mit Kräften um 0,5–1 Tonne.
- Hydraulisch: Eine Handpumpe erzeugt 2 bis 20 Tonnen; viel Kraft mit wenig Aufwand, der Druck lässt sich aber weniger fein dosieren.
- Pneumatisch und automatisch: Die Kraft kommt von einem Kompressor oder Motor; Druck und Zeiten sind reproduzierbar, die Kosten aber höher.
Die Tonnen allein sagen nicht, wie viel Druck auf das Material wirkt: Entscheidend ist die Fläche des Beutels. Eine Kraft von 1 Tonne auf einem Beutel von 5 × 10 cm (50 cm²) ergibt etwa 20 bar, genug für Siebgut und Eiswasser-Harz, aber zu wenig für Blüten; um denselben Beutel mit Blüten auf 40–70 bar zu bringen, braucht es etwa 2–3,5 Tonnen. Grössere Platten fassen grössere Beutel, die aber mehr Kraft erfordern. Bei hydraulischen Pressen zeigt das Manometer den Druck im Kreislauf oder die Kraft an, nicht den Druck auf das Material.
Temperatur, Zeit und Druck für jedes Material
Die Werte der Tabelle sind typische Startbereiche, keine festen Rezepte: Jede Presse und jedes Material verhält sich anders. Beginne beim tiefsten Wert und erhöhe jeweils nur einen Parameter.
| Material | Temperatur | Zeit | Druck auf das Material | Beutel |
|---|---|---|---|---|
| Gecurte Blüten | 85–105 °C | 30–120 s | 40–70 bar (ca. 600–1'000 psi) | 90–160 µm |
| Trockensiebgut | 70–90 °C | 30–90 s | 20–50 bar (ca. 300–700 psi) | 25–45 µm |
| Eiswasser-Harz | 65–85 °C | 60–180 s | 20–50 bar (ca. 300–700 psi) | 25–45 µm |
Die Grundregel: Mehr Wärme erhöht den Ertrag, baut aber Terpene ab und macht das Produkt dunkler; weniger Wärme ergibt ein helleres, aromatischeres Rosin mit tieferem Ertrag. Harz, das mit dem Ice-O-Lator oder einem Trockensieb gewonnen wurde, wird kühler und länger gepresst als Blüten, weil es wenig Pflanzenmaterial enthält. Wie man es gewinnt, erklärt der Ratgeber zum Ice-O-Lator.
Filterbeutel, Silikonpapier und das Pressen Schritt für Schritt
Der Filterbeutel aus lebensmittelechtem Nylon hält das Pflanzenmaterial zurück: Grobe Maschen (90–160 µm) sind für Blüten, feine (25–45 µm) für Siebgut und Eiswasser-Harz. Ein zu feiner Beutel bremst bei Blüten den Fluss, ein zu grober lässt Pflanzenteilchen durch. Darunter und darüber kommt Silikonpapier, antihaftend und hitzebeständig, von dem sich das Rosin nach dem Abkühlen leicht löst.
- Bring die Blüten auf die richtige Feuchtigkeit, etwa 58–62 % nach dem Curing: Zu trockene Blüten saugen das Rosin auf, zu feuchte erzeugen Dampf und Blasen.
- Heize die Platten auf die gewählte Temperatur vor und warte, bis sie stabil ist.
- Fülle den Beutel gleichmässig und nicht zu voll, und presse das Material wenn möglich in einer Vorpressform vor.
- Falte das Silikonpapier wie ein Buch und lege den Beutel in die Mitte, mit genug Rand, damit das Rosin fliessen kann.
- Schliesse die Platten 10–20 Sekunden ohne Druck, dann erhöhe den Druck schrittweise.
- Halte den Druck für die vorgesehene Zeit; wenn der Fluss aufhört, öffne die Presse.
- Lege das Papier mit Hitzeschutzhandschuhen auf eine kalte Fläche und nimm das Rosin mit einem kleinen Edelstahlspatel auf, sobald es abgekühlt ist.
Ertrag: wie viel man erhält und wovon er abhängt
Der Ertrag ist das Gewicht des Rosins geteilt durch das Gewicht des gepressten Materials. Für die lösungsmittelfreie Verarbeitung werden typischerweise diese Bereiche angegeben:
- Blüten: etwa 10–25 % des Gewichts.
- Trockensiebgut: etwa 30–60 %.
- Eiswasser-Harz: etwa 50–80 %.
Innerhalb dieser Bereiche entscheiden vor allem Menge und Reife der Trichome, Feuchtigkeit und Frische des Materials, das Zusammenspiel von Temperatur, Druck und Zeit sowie die Füllung des Beutels: Zu viel Material in einem kleinen Beutel hält Harz im Inneren zurück. Fächerblätter und trichomarme Reste bringen wenig; bei den Resten vom Trimmen lohnt es sich meist, das Harz zuerst mit Eiswasser oder einem Sieb abzutrennen. Notiere bei jedem Pressvorgang Gewichte, Temperatur, Zeit und Druck: Nach wenigen Versuchen findest du die passende Kombination für dein Material. Werkzeug für die Vorbereitung findest du in der Kollektion Ernte und Verarbeitung.
Sicherheit, Reinigung und Lagerung
- Hitze: Die Platten arbeiten zwischen 65 und 105 °C und bleiben lange heiss; trage Hitzeschutzhandschuhe und berühre weder Platten noch frisch entnommenes Papier.
- Druck: Finger weg vom Schliessbereich, Presse auf eine stabile Unterlage und nie über die vom Hersteller angegebene Höchstkraft; bei hydraulischen und pneumatischen Pressen Schläuche und Anschlüsse prüfen.
- Strom: geerdete Steckdose, Kabel weg von den Platten, Presse nie unbeaufsichtigt eingeschaltet lassen.
- Reinigung: nur bei ausgeschalteter, ausgesteckter und kalter Presse, mit Papier oder einem mit Isopropylalkohol befeuchteten Tuch; Alkohol ist brennbar und gehört nie auf heisse Flächen.
- Hygiene: Nitrilhandschuhe, saubere Flächen, neues Papier und neue Beutel bei jedem Pressvorgang.
Rosin lagert man in gut verschlossenen Behältern aus Glas oder Silikon, dunkel und kühl: im Kühlschrank einige Wochen, im Tiefkühler länger. Lass einen kalten Behälter vor dem Öffnen auf Raumtemperatur kommen, damit sich kein Kondenswasser bildet. Beschrifte jeden Behälter mit Datum und Ausgangsmaterial.
Häufige Fragen
Bei welcher Temperatur presst man?
Als Ausgangswert 85–105 °C für Blüten, 70–90 °C für Trockensiebgut und 65–85 °C für Eiswasser-Harz. Beginne beim tiefsten Wert und erhöhe jeweils um wenige Grad.
Wie viel Rosin ergeben Blüten?
In der Regel 10 bis 25 % des Gewichts der gepressten Blüten. Das Ergebnis hängt vor allem von der Trichommenge, der Feuchtigkeit des Materials und den Einstellungen der Presse ab.
Welche Micron-Grösse sollte der Beutel haben?
Für Blüten 90–160 µm, für Trockensiebgut und Eiswasser-Harz 25–45 µm. Je feiner die Masche, desto sauberer das Rosin, aber desto langsamer der Fluss.
Was ist der Unterschied zwischen manueller, hydraulischer und pneumatischer Presse?
Eine manuelle Presse mit Hebel oder Spindel ist kompakt und günstig, entwickelt aber wenig Kraft und reicht für kleine Mengen. Eine hydraulische Presse erzeugt mit einer Handpumpe 2 bis 20 Tonnen, eine pneumatische arbeitet mit einem Kompressor und macht Druck und Zeiten besser reproduzierbar, kostet aber mehr.
Pressen und Zubehör findest du in der Kollektion Pressen.
Aktualisiert am 13. Oktober 2026.