Cannabis spülen vor der Ernte (Flush) heisst: In den letzten Blütetagen bekommt die Pflanze nur Wasser oder eine stark verdünnte Lösung, meist 7–14 Tage in Erde, 5–7 in Kokos und 3–7 in Hydrokultur. Kontrollierte Versuche bestätigen nicht, dass es das Aroma verbessert: In einem Versuch von 2026 auf Steinwolle hatten gespülte Pflanzen im Mittel 21,9 % weniger Terpene und einen um etwa 7 % höheren getrimmten Ertrag. Nützlich ist das Spülen vor allem als Korrektur, wenn sich während des Anbaus Salze im Substrat anreichern.
In Kürze
- Das Spülen vor der Ernte ist weit verbreitet, die versprochenen Vorteile sind aber nicht belegt.
- Versuch 2026 auf Steinwolle: mit Flush weniger Terpene, etwas höherer getrimmter Ertrag und weniger Abfall.
- Korrekturspülen ist angesagt, wenn der EC-Wert im Drainagewasser deutlich über dem Giesswasser liegt.
- Vorsichtige Alternative: die Nährstoffe in den letzten 1–2 Wochen schrittweise reduzieren.
Was mit Spülen gemeint ist und was es verspricht
Mit «Spülen» sind zwei verschiedene Dinge gemeint. Das Spülen vor der Ernte ersetzt in den letzten Tagen den Dünger durch Wasser, mit der Idee, dass die Pflanze die Nährstoffreserven im Gewebe aufbraucht und die Blüten aromatischer und «sauberer» werden. Das Korrekturspülen dagegen ist ein gründliches Durchspülen des Substrats in jeder beliebigen Phase, um angereicherte Salze zu entfernen und pH und EC wieder in den richtigen Bereich zu bringen.
Das zweite hat eine klare technische Grundlage. Das erste stammt aus der Erfahrung von Growern und wurde bis Oktober 2026 nur in wenigen kontrollierten Versuchen gemessen.
Was der kontrollierte Versuch von 2026 zeigt
2026 wurde ein Versuch veröffentlicht, den der Steinwollhersteller Grodan bei CRIC Labs in Montréal, Kanada, durchgeführt hat: 48 Pflanzen zweier F1-Sorten auf Steinwolle, angebaut zwischen Oktober und Dezember 2025. Die Standardgruppe erhielt bis zum Schluss Nährlösung mit EC 3,0; die Spülgruppe während 9 Tagen eine Lösung, die zuerst auf EC 1,7 und dann auf 1,0 gesenkt wurde, also eine schrittweise Reduktion und nicht reines Wasser.
- Terpene: im Mittel 21,9 % weniger in den gespülten Proben; neun der zehn höchsten Konzentrationen stammten von normal gedüngten Pflanzen.
- Getrimmter Ertrag: etwa 7 % mehr mit Spülen, bei deutlich weniger Abfall nach der Ernte.
- Grenzen: Die Autoren betonen selbst, dass das Ergebnis von Ausgangs-EC, Lichtintensität und Düngeschema abhängt und keine allgemeine Regel ist.
In der Praxis heisst das: Wer auf Aroma setzt, hat keinen Beleg, dass Spülen hilft, eher im Gegenteil; wer auf Steinwolle mit hohen EC-Werten anbaut, kann bei Ertrag und Arbeitsaufwand profitieren. Auf einen Anbau für den Eigenbedarf in Erde lässt sich das Ergebnis nicht direkt übertragen.
Korrekturspülen bei Salzanreicherung
Spülen ist sinnvoll, wenn der EC-Wert des Drainagewassers deutlich über dem Giesswasser bleibt, als Richtwert 0,5 mS/cm oder mehr, und verbrannte Blattspitzen, ein pH-Wert ausserhalb des Bereichs oder ein Wachstumsstopp ohne andere erkennbare Ursache auftreten.
- pH und EC von Giess- und Drainagewasser mit einem pH/EC-Messgerät messen.
- 2–3 Mal das Topfvolumen an Wasser mit 18–22 °C und korrektem pH vorbereiten: 22–33 Liter für einen 11-Liter-Topf. Der pH-Wert wird mit pH-Regulatoren eingestellt.
- Langsam in mehreren Durchgängen giessen, zu Beginn der Lichtphase, auf einer Wanne oder ausserhalb der Growbox.
- Gegen Ende den EC-Wert des Drainagewassers messen: Er sollte sich dem Giesswasser annähern.
- Abtropfen lassen, Untersetzer leeren und mit reduzierter Dosis weiterdüngen, sobald der Topf leichter geworden ist.
In Erde bleibt das Substrat nach so viel Wasser tagelang gesättigt: nur spülen, wenn der Topf gut drainiert, und nicht kurz hintereinander wiederholen. Die Regeln für das normale Giessen stehen im Ratgeber Cannabis giessen.
So spülst du vor der Ernte
Wenn du spülen willst, brauchst du nicht mehr Wasser als sonst: Gegossen wird mit den üblichen Mengen und im üblichen Rhythmus, mit 10–20 % Drainage und dem richtigen pH für das Substrat.
| Substrat | Übliche Dauer | Wasser | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Erde | 7–14 Tage | pH 6,0–7,0 | reagiert langsam; die Erde speichert Nährstoffe |
| Kokos | 5–7 Tage | pH 5,5–6,5, auch stark verdünnte Lösung | nie austrocknen lassen |
| Steinwolle und Hydrokultur | 3–7 Tage | pH 5,5–6,5 oder schrittweise sinkender EC | reagiert schnell; EC täglich prüfen |
Dass die grossen Blätter in diesen Tagen zunehmend vergilben, ist normal. Den Erntezeitpunkt bestimmen die Trichome, nicht der Spülkalender: siehe die Ratgeber zum Erntezeitpunkt von Cannabis und zum richtigen Ernten.
Alternative: Nährstoffe schrittweise reduzieren
Ein Mittelweg ist, die Dosis in den letzten 1–2 Wochen zu senken, statt abrupt auf Wasser umzustellen, wie es die Spülgruppe im Versuch von 2026 getan hat. Viele Herstellerschemata sehen das bereits vor: Das BioBizz Düngeschema 2026 etwa reduziert Bio·Grow und Acti·Vera in der achten Blütewoche und sieht danach eine Woche nur Wasser vor.
Bei organischen Düngern bringt Spülen mit Wasser weniger: Die Nährstoffe sind an organisches Material gebunden und werden vom Bodenleben langsam freigesetzt, Wasser schwemmt also wenig davon aus. In den letzten 1–2 Wochen nach Herstellerschema mit dem Düngen aufzuhören, reicht meist aus.
Häufige Fragen
Wie viele Tage vor der Ernte wird gespült?
In der Praxis 7–14 Tage in Erde, 5–7 in Kokos und 3–7 auf Steinwolle und in Hydro. Pflicht ist es nicht: Eine schrittweise Reduktion der Nährstoffe in den letzten 1–2 Wochen ist eine gute Alternative.
Verbessert Spülen wirklich das Aroma der Blüten?
Die verfügbaren Versuche belegen das nicht: Im Versuch von 2026 auf Steinwolle hatten die gespülten Proben im Mittel 21,9 % weniger Terpene. Das Ergebnis gilt für diese Bedingungen und ist keine allgemeine Regel.
Braucht es bei organischem Dünger einen Flush?
Meist nicht: Wasser schwemmt von den an organisches Material gebundenen Nährstoffen wenig aus. Es genügt, in den letzten 1–2 Wochen nach Herstellerangabe nicht mehr zu düngen.
Wie spült man in Kokos?
Weiter im gewohnten Rhythmus giessen, mit pH 5,5–6,5 und 10–20 % Drainage, ohne Kokos je austrocknen zu lassen. Für ein Korrekturspülen eine stark verdünnte Lösung verwenden, etwa ein Viertel der üblichen Dosis, damit Kokos kein Calcium und Magnesium verliert.
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Aktualisiert am 13. Oktober 2026.